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Abu Musab al-Zarqawi
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Fast alle Terror-Anschläge der jüngsten Zeit werden mit seinem Namen verbunden: Casablanca, Istanbul, Madrid, Bagdad. 25 Millionen Dollar Belohnung hat die amerikanische Regierung auf großen Plakaten im Irak für seine Ergreifung ausgesetzt – die gleiche Summe wie für Osama bin Laden. Dabei scheint er eher ein Gegenstück zu dem Al Qaida-Anführer: Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, ist ein besessener „Macher“, kein Ideologe und gilt als „einsamer Wolf“, obwohl er immer wieder Menschen für seine Ziele einspannen kann.
Der Weg aus Zarqa. Seine nachprüfbare Spur verliert sich in Afghanistan. Dort hatte Abu Musab al-Zarqawi diesen nom de guerre angenommen nach seiner Geburtsort Zarqa in Jordanien, einem palästinensischen Flüchtlingslager nördlich von Amman. Er hatte sieben Schwestern und zwei Brüder und eine Mutter, die unter Leukämie litt.
Zarqawi war ein durchschnittlicher Schüler, begeisterter Fußballer und seltener Moscheebesucher. Mit 17 Jahren verlässt er die Schule, beginnt heftig zu trinken und lässt sich tätowieren, beides nach den Regeln des Korans verboten. Mitte der 80er Jahre wird er – angeblich wegen sexueller Nötigung – zum ersten Mal inhaftiert. Als er mit 20 aus dem Gefängnis entlassen wird, geht er – wie viele engagierte junge Muslime – nach Afghanistan.
Zarqawi trifft dort 1989 ein, als der Krieg gegen die sowjetische Besatzung weitgehend beendet ist. Er arbeitet als Reporter für eine kleine Djihad-Zeitschrift und interviewt Afghanistankämpfer. 1992 kehrt er nach Jordanien mit einer Gruppe militanter Kämpfer zurück und wird ein Jahr später wegen Waffenbesitzes erneut verhaftet. In der Zelle vertieft er sich - mit Decken gegen seine Mithäftlinge geschützt – in den Koran, stärkt seine körperliche Fitness mit selbstgebauten Hanteln und wird unumstrittener Anführer der Gruppe: „Er konnte seine Anhänger nur durch Bewegungen der Augen dazu bringen, seine Befehle auszuführen“, zitiert die New York Times einen Gefängnisarzt.
Al Qaida überzeugt nicht. Durch eine Amnestie politischer Gefangener wird Zarqawi 1999 entlassen, geht mit seiner kranken Mutter nach Peschawar an die afghanisch-pakistanische Grenze, zögert aber sich bin Laden und der Al Qaida anzuschließen, weil ihn deren Ziele nicht überzeugen. Als sein Visum für Jordanien ausläuft, wird er dort zur gleichen Zeit wegen eines – gescheiterten - Anschlags angeklagt. Seine Mutter stirbt im Jahr 2000 in Peschawar, zwanzig Jahre nach seinem Vater. Zarqawi geht nach Herat im Westen Afghanistans, weit entfernt von den Lagern der Al Qaida und baut dort ein eigenes Trainingslager auf.
Ab jetzt lässt sich der weitere Weg nur noch aus den – bedingt zuverlässigen - Befragungen von Häftlingen oder anderen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen verfolgen. Ein in Deutschland inhaftierter Anhänger berichtet, Zarqawi habe - vor allem aus seinem eigenen Clan – jordanische Freiwillige auf dem Umweg über den Iran nach Herat geholt. Nach Berichten westlicher Dienste schließt die von ihm gegründete Al-Tawhid eine Übereinkunft mit muslimischen, irakischen Kurden, aus der eine neue Gruppe, die in der Zwischenzeit in Pressemeldungen häufig genannte Ansar al Islam hervorgeht.
"Telefongespräche
nach Deutschland
wurden abgehört
und die Gruppe
verhaftet" |
Schwer verletzt. Die Gruppe kann noch vor den amerikanischen Angriff auf Afghanistan ein sicheres Rückzugsgebiet im Norden des Irak aufbauen. Das ist Zarqawis Glück, denn er wird – wie er in einem abgehörten Telefongespräch mit seinem später in Deutschland verhafteten Anhänger mitteilt – durch amerikanische Bomben am Fuß und in der Magengegend schwer verletzt. Ob er sein Fuß auf Grund dieser Verletzung amputiert werden musste, wie in den meisten Berichten geschildert, ist unklar. Nach Aussagen eines hohen amerikanischen Offiziers soll dies eine Falschinformation sein und Zarqawi weiterhin beide Beine besitzen.
Schon 2001 soll er nach israelischen Berichten Anschläge in Israel vorbereitet haben. 2002 wird er von einem jordanischen Gericht wegen der Ermordung eines amerikanischen Diplomaten in Abwesenheit zum Tode verurteilt, nachdem drei von den Behörden Inhaftierte ausgesagt hatten, er habe ihn Waffen und Geld gegeben. In Deutschland drängt er seine Anhänger zu Anschlägen gegen jüdische Ziele. Die Pläne scheitern jedoch, weil seine Telefongespräche abgehört und die Mitglieder der Gruppe verhaftet werden.
Gefährliches Cyanid. Mysteriös sind die Berichte über Giftanschläge, die Zarqawi geplant und für die er schon in seinem irakischen Refugium Versuche unternommen haben soll. Auf Grund der Aussagen des in Pakistan verhafteten Abu Zubaydah, einem der engsten Mitarbeiter Osama bin Ladens, fand die französische Polizei bei drei von Zubaydah namentlich genannten Personen das gefährliche Cyanid-Gift und einen Chemiewaffen-Schutzanzug. Wochen später entdeckte die britische Polizei in einem von Nordafrikanern bewohnten Appartement Spuren des hochwirksamen Rizin-Giftes.
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"Die Amerikaner
sehen Zarqawi als
ihren wichtigsten
Gegenspieler im
Irak an"
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Die Amerikaner sehen Zarqawi als ihren wichtigsten Gegenspieler im Irak an, der den Kampf im terroristischen Untergrund entscheidend organisiert. Er soll ein detailliertes Konzept verfasst haben, wie der Irak in einen Bürgerkrieg hineingezogen werden kann. Auf Grund der Wortwahl und historischer Bezüge sehen andere Analysten ihn jedoch nicht als Urheber des Konzeptes an. „Der Mann war im Grunde ungebildet“ zitiert die New York Times einen früheren Zellennachbarn. Auf einem im Mai gefundenen Video soll er den jungen Amerikaner Nicholas Berg enthauptet haben. Aber auf dem Video nutzt der Vermummte die rechte Hand zur Enthauptung, untypisch für den Linkshänder Zarqawi.
Mythos Zarqawi. So bleibt trotz vieler abgehörter Gespräche und aufgefundener Spuren letztlich nur ein Phantombild, wie die Polizei es zur Suche von Tätern verwendet. Ist er der große Unbekannte, der im Hintergrund alle Fäden zieht, der in bei vielen großen Terroranschlägen operativ tätig gewesen sein soll, mehr als bin Laden in seinen besten Zeiten? Warum ist es dann nicht möglich, Zarqawis Spuren weiter zu verfolgen? Oder ist er ein Phantom, dem die Taten nur zugeschrieben werden? Die irakischen Guerillakämpfer, die bei den Gefechten in Bakuba gefangen wurden, trugen Stirnbänder mit Loyalitätserklärungen für Zarqawi. Ein Mythos ist er also auf jeden Fall.