In the year twenty-five twenty-five – nein schon etwas früher wird es so sein, wie es kommen muss, nämlich twenty twenty, also zweitausendzwanzig. Da wird die „Menschheit insgesamt“ eine einzige Ummah sein, eine glückliche islamische Gemeinschaft. Und es wird Friede sein weithin, denn „der Islam ist Friede“. Da wird man dann eines großen muslimischen Mannes gedenken, der anno domini 1996, im Jahre des Herrn Allah 1416, eine Vision hatte:
- „Alles ist möglich, wenn Er [Allah] nur will. Dieses Land ist unser Land, und es ist unsere Pflicht, es positiv zu verändern. Mit der Hilfe Allahs werden wir es zu unserem Paradies auf der Erde machen, um es der islamischen Ummah und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen. Allah verändert die Lage eines Volkes erst, wenn das Volk seine Lage ändert!“
„…Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.“*)
Seht ihr, wird Oma Sabiha ihren Enkeln sagen: seht ihr, er hat Recht gehabt. Damals wollten die Leute es nicht glauben. – Warum denn nicht? fragt Klein-Mehmet. – Ja stellt euch vor: sie hatten Angst vor dem Islam, sagt Oma Sabiha. Mehmet und die etwas jüngere Schwester Amena finden das komisch, und sie fragen: Wieso denn das? – Oma Sabiha seufzt und meint versonnen: Das ist eine lange Geschichte. – Erzähl’, Oma, betteln die Kinder. Und Oma erzählt:
Sie waren halt dumm und wollten nicht glauben, dass der Islam Friede ist und alle Probleme der Menschen lösen kann. Und da schrieb dieser tolle Mann in seinen „Zukunftsperspektiven für die Muslime in Deutschland“ – so nannte er seine „Vision“ – dann auch noch:
- „Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, dass der Bundeskanzler im Jahre 2020 ein in Deutschland geborener und aufgewachsener Muslim ist, dass wir im Bundesverfassungsgericht einen muslimischen Richter oder eine muslimische Richterin haben, dass im Rundfunkrat auch ein muslimischer Vertreter sitzt, der die Wahrung der verfassungsmäßig garantierten Rechte der muslimischen Bürger sichert, dass der Zentralrat der Muslime oder der Islamrat oder eine andere islamische Institution ein wirklich alle muslimischen Vereine verbindendes Organ ist, was alle Muslime vereinigt.“
„…Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.“
Dieser große Visionär schmückte seine Vision auch noch aus, und zwar mit Sachen, die damals, also um die Jahrhundertwende, die Leute fürchterlich aufregten:
- „Es ist meiner Meinung nach nicht utopisch, sondern sehr wahrscheinlich, dass die heutigen Probleme, wie islamischer Schulunterricht, islamisches Schächten, im Jahre 2020 längst der Vergangenheit angehören werden und dass Kopftuchtragen wo auch immer nicht mehr verboten, nein, im Gegenteil sogar gefördert wird, in jeder öffentlichen Einrichtung, sei es Schule, Universität oder Krankenhaus, wird es Gebetsmöglichkeiten geben, auf islamische Mahlzeiten wird erst recht geachtet, und wer möchte, kann sich Inscha Allah sogar an deutschen Universitäten zum Imam ausbilden lassen. Alles Spinnereien, denkt ihr jetzt? KEINESWEGS!“
Ja und da kriegten die Ungläubigen noch mehr Angst, weil sie ja nicht glauben wollten, wie friedlich der Islam ist. – „Dann war dieser Mann mit der Vision aber ziemlich mutig, dass er das alles so offen sagte“, meinen Amena und Mehmet, und sie wollen wissen, wer er war. – Oma Sabiha erinnert sich gut und erzählt: Sein Name war Ibrahim. Er nannte sich „preußischer Muslim“, denn seine Mama war aus Ostpreußen und sein Papa war aus Ägypten, aus dem Stamme „El Zayat“, von der „Muslimbruderschaft“.
Das waren ganz aktive Muslime. Erst wollten sie die Regierung von Ägypten stürzen, weil sie ihr nicht islamisch genug war. Und wenn es sein musste, wollten sie das auch mit Gewalt tun. Später meinten einige dann, es wäre besser, auf Gewalt zu verzichten, weil das mit dem Umsturz ja vielleicht auch etwas humaner ging. Man musste eben nur in der Politik feste mitmischen, dann konnte man diese Demokratie ganz gut dazu nutzen, sich Einfluss und Macht zu verschaffen, um den Islam durchzusetzen.
„…Man baute nicht Rom in einem Tag,
Gut Ding will haben Weile.“
Ibrahims Eltern hatte es ins hessische Marburg verschlagen, wo sein Papa Imam war. Ja und als Ibrahim größer wurde, hat er sich so für den Islam begeistert, dass einige Ungläubige entgeistert waren. Sie ließen ihn und die islamischen Organisationen und Finanztransaktionen, in denen er mitmischte, doch glatt vom Verfassungsschutz beobachten!
Das mochte er gar nicht, aber er kämpfte fleißig weiter für Allah. Er sagte immer, er wolle nur, dass die Muslime in Deutschland alles das machen können, wie die Christen auch, aber die vom Verfassungsschutz, die ja auf die Demokratie aufpassen mussten, die meinten, er wolle, dass alle Menschen Muslime werden.
„Wer heute nicht kommt, kommt morgen gewiss,
Nur langsam wächst die Eiche,
Und chi va piano va sano, so heißt
Das Sprichwort im römischen Reiche“
Und überhaupt: dass er vom Verfassungsschutz als Muslimbruder „verdächtigt“ wurde, mochte Ibrahim auch nicht. Er sagte deshalb immer, er sei „kein Mitglied“ der Muslimbruderschaft. Na ja – Mitglied musste er ja auch gar nicht sein. Es reichte ja, wenn er ihre Ziele unterstützte. Als eingetragenen Verein gab es die Muslimbruderschaft in Deutschland ja eh nicht.
Sie war zwar auch in Deutschland gut organisiert, aber eben nicht offiziell, sondern insgeheim. Viele ihrer Anhänger waren in der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD) aktiv. Das meinte vor allem auch der Verfassungsschutz. Diese „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ war auch (erst unter einem anderen Namen) von Muslimbrüdern gegründet worden.
Und Im Jahr 2002 wurde Bruder Ibrahim ihr Vorsitzender. Dann – es war im Jahr 2005 – kam so eine CDU-Abgeordnete, Kristina Köhler hieß sie, und nannte ihn doch glatt öffentlich einen Funktionär der Muslimbruderschaft. Sie fand es gar nicht gut, dass man so einen auf ein Diskussionspodium eingeladen hatte. Ja und da hat Bruder Ibrahim sie verklagt.
Das stand dann auch ganz groß auf der IGD-Website – auch später noch, als ein Gerichtsurteil der Frau Köhler längst erlaubt hatte, ihn so zu nennen. Vielleicht meinte Bruder Ibrahim, dass es für die Moral der IGD-Mitglieder nicht so gut gewesen wäre, wenn sie hätten lesen müssen, dass ihr Vorsitzender gerichtlich unterlegen war.
„Du bist der Richter, der Büttel bin ich,
Und mit dem Gehorsam des Knechtes
Vollstreck ich das Urteil, das du gefällt,
Und sei es ein ungerechtes.“
Ibrahim, unser Bruder im Islam, möge Allah ihm gnädig sein, merkte bald, dass es besser war, vieles nicht so deutlich zu sagen, denn da gab es ein so genanntes Grundgesetz, in das die Deutschen schrecklich vernarrt waren, und auch ein von Menschen gemachtes Recht, das immerzu geändert werden konnte, und stellt euch vor Kinder, die Regierung wurde vom Volk gewählt und war nur dem Willen des Volkes verpflichtet. Die wollten damals unter keinen Umständen, dass Allah und sein ewiges Gesetz über sie herrschten. – Wussten die Leute denn nicht, dass Allahs Gesetz das einzig richtige ist? fragt Mehmet.
Das wollten die Leute eben nicht sehen, sagt Oma Sabiha. Ja und wer da auch nur Andeutungen machte von einer Islamisierung der Gesellschaft oder von einem islamischen Staat, der bekam es mit dem Verfassungsschutz zu tun. Das war ärgerlich, auch für unseren Bruder Ibrahim, der immer gern an Diskussionen teilnahm; denn mit solchen Muslimen wollten die Leute nicht gern öffentlich reden – Dialog führen, sagte man damals. Deshalb musste Bruder Ibrahim immer wieder feste beteuern, dass er auf dem Boden des Grundgesetzes stehe.
Aber so recht mochte man ihm das nicht glauben. Er war nämlich auch als islamische Führungsperson mächtig emporgestiegen und hatte schrecklich viele Funktionen im In- und Ausland. Darunter war auch eine von Saudi-Arabien gesteuerte. Von der sagte man, dass sie islamistische Terrororganisationen unterstütze. Damit meinte man die „World Assembly of Muslim Youth“ (WAMY). Bruder Ibrahim sprach darüber nicht gern. Was er darüber wusste, behielt er lieber in seinem Kopf.
„…Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab’ ich im Kopfe stecken.“
Besonders wichtig waren unserem Bruder Ibrahim die jungen Muslime, die wollte er so richtig islamisch machen. Dabei halfen ihm natürlich andere Muslime, zum Beispiel ein berühmter Popstar, Amr Khaled hieß er. Der begeisterte die jungen Leute auf Versammlungen und feuerte Bruder Ibrahims „Muslimjugend“ kräftig an, im Dschihad für Allah eifrig und aktiv zu sein – nicht mit Waffen, sondern mit Hilfe eben der demokratischen Möglichkeiten – ganz legal sozusagen, z.B. als „Lifemakers“.
Damit die Leute nicht allzu deutlich merkten, dass man nach und nach die Gesellschaft auf diese Weise islamisieren wollte, haben sich damals übrigens manche Muslime verstellt. Ja manchmal haben sie auch gelogen – nur um Allahs Willen natürlich. Je dreister sie das taten, umso verblüffter waren die Ungläubigen, weil sie mit soviel Chuzpe bei Muslimen nicht rechneten. – Richtig gelogen? fragt Mehmet. –
Ja also einmal, das war zehn Jahre nach dieser Vision von Bruder Ibrahim, nämlich im Februar 2006 – er war da schon fast vier Jahre Vorsitzender der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“ – da wurde er zu einer Fernsehdiskussion bei einer Frau Christiansen eingeladen. Das war wohl diesmal irgendwie nicht verhindert worden.
Da war auch ein CDU-Abgeordneter. Bosbach hieß er. Der wollte dem Ibrahim mal so richtig einheizen. So hat er ihm unter anderem das Stück aus seiner „Vision“ von 1996 vorgelesen – das wo vom islamischen Paradies auf der Erde die Rede war und davon, dass er dieses Land „der islamischen Umma und der Menschheit insgesamt“ zur Verfügung stellen wollte (s.o.). Und Bosbach meinte:
„Dieser Text, Herr El-Zayat, dürfte Ihnen bekannt vorkommen.“
Aber Bruder Ibrahim gab dem Bosbach zu verstehen, dass das nicht der Fall sei – womit er ihn natürlich verunsichert und dann so recht eigentlich ausgetrickst hat.
Bosbach: Ist das nicht von Ihnen?
El-Zayat: Das ist nicht von mir.
Bosbach: Ich dachte, deswegen habe ich das gebracht.
El-Zayat: Ja, das ist das Problem.
Bosbach: Von wem ist das denn?
El-Zayat: Ich weiß nicht, von wem es ist, es ist jedenfalls nicht von mir und jedenfalls nicht so gesagt…
So habe er das nicht gesagt, sagte er. Das war ganz schön schlitzohrig. Der Bosbach war total verblüfft und sprachlos. Hätte er gewusst, wo Ibrahims „Vision“ im Original gedruckt wurde, dann hätte er den Ibrahim natürlich bloßstellen können. Denn der ganze Artikel -
„Zukunftsperspektiven für die Muslime in Deutschland“ von Ibrahim El-Zayat
war in einem Jugendmagazin, genannt TNT (das heißt „Themen – Nachrichten – Trends“), Ausgabe Nr.1, im Jahr 1996 abgedruckt worden. TNT war das Magazin der „Muslim-Jugend in Deutschland“ (MJD), mit der Ibrahim eng verbunden war. Ja so ist das eben, wenn Politiker sich nicht richtig auf solche Diskussionen vorbereiten. Da hatte unser Bruder Ibrahim leichtes Spiel.
Übrigens hatte Bosbach auch noch einen Satz falsch zitiert. Er sagte nämlich über das islamische Paradies auf Erden, es solle „der islamischen Ummah, der Menschheit, der Gemeinschaft der Gläubigen insgesamt zur Verfügung“ gestellt werden. In der Originalvision von Ibrahim war aber nicht von „der Gemeinschaft der Gläubigen insgesamt“, also der Ummah, sondern von „der Menschheit insgesamt“ die Rede. So konnte Bruder Ibrahim, der das wohl gemerkt hat, ohne mit der Wimper zu zucken sagen: So habe ich das nicht gesagt.
„Der Schafpelz, den ich umgehängt
Zuweilen, um mich zu wärmen,
Glaubt mir’s, er brachte mich nie dahin,
Für das Glück der Schafe zu schwärmen.“
Ja und die Frau Christiansen, die Moderatorin, wusste wohl von alledem gar nichts, sonst hätte sie ja den Fernsehzuschauern die Quelle des Zitats von Ibrahim mitgeteilt, weil ja das Fernsehen informieren und nicht verdummen soll. Aber Muslime konnten damals fest damit rechnen, dass Politiker oder Moderatoren über den real existierenden Islam in Deutschland wenig informiert und schlecht vorbereitet waren. Muslimfunktionäre brauchten daher kaum Angst zu haben, entlarvt zu werden, wenn sie mal logen.
So hat wohl auch Bruder Ibrahim gedacht, das riskierst Du einfach mal – obwohl er in einem Interview auf der Website des „Zentralrats der Muslime“, islam.de, am 4.2.2002 seine „Vision“ von 1996 gar nicht abgestritten hatte, aber wer von den „Islamexperten“ in der Fernsehrunde würde das schon wissen! In diesem Interview war er nach seiner Vision für die Zukunft gefragt worden, und da hatte er gesagt:
- „Ich bin bei Visionen mittlerweile sehr vorsichtig. Denn als ich einmal geäußert habe, dass ich es nicht als unmöglich empfinde, wenn es im Jahre 2020 einen muslimischen Bundeskanzler gibt, habe ich heftige Kritik geerntet.“
Wie gesagt: da hatte er gar nicht bestritten, dass die „Vision“, in der das Zitat von Bosbach enthalten ist, von ihm selbst stammt – und er hatte erst recht nicht behauptet, er wisse nicht von wem das Zitat sei. Aber Bruder Ibrahim konnte – fast – sicher sein: Lügen von Muslimen haben längere Beine als Lügen von Ungläubigen.
Ich bin kein Schaf, ich bin kein Hund,
Kein Hofrat und kein Schellfisch
Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz
Und meine Zähne sind wölfisch.“
Und weil später dann die Eifrigen unter den Muslimen – die Ungläubigen nannten sie verächtlich auch Eiferer oder Islamisten – nach und nach immer mehr Anhänger fanden, deswegen leben wir heute, im Jahr 2020, friedlich in einem geordneten islamischen Staat, in dem der Islam „ein vollständiges Lebenskonzept“ ist, wie Bruder Ibrahim damals schrieb. Da haben die Muslime natürlich volle Religionsfreiheit – die Ungläubigen weniger. Im Koran steht nämlich, „es gibt keinen Zwang in der Religion“.
Ja und mit Religion ist natürlich der Islam gemeint, denn das ist ja die einzig wahre Religion. Und für Gläubige, die dieser einzig richtigen Religion, dem Islam, angehören, gibt es natürlich keinen Zwang, solange sie in dieser Religion bleiben. Unser Bruder Ibrahim, Allah möge ihm gnädig sein, hat also mit seiner „Vision“ von 1996 Recht behalten. Ja, es ist sogar noch besser geworden, als er es sich vor einem knappen Vierteljahrhundert erträumt hat. –
Mehmet und Amena hatten aufmerksam zugehört. Erst waren sie ganz still. Dann meinte Mehmet: Ist doch eigentlich gut, dass jetzt fast alle Menschen Muslime sind. Und Oma Sabiha nickte verträumt.
„Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß,
Die Märchen, der alten Amme!
Mein abergläubisches Herze jauchzt:
Sonne, du klagende Flamme!“
*) Zitiert aus Heinrich Heine: "Deutschland, ein Wintermärchen."
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat uns auf diesen Beitrag geschrieben:
Sehr geehrter, lieber Herr Denso,
mit Interesse habe ich den Aufsatz von Frau Hildegard Becker „Deutschland, ein islamisches Wintermärchen oder die Vision des Ibrahim El-Zayat für das Jahr 2020“ gelesen.
Leider ist das Wintermärchen, zumindest in Teilen, tatsächlich ein Märchen.
So beklagt sich die Autorin u. a. darüber, dass ich in der Sendung „Sabine Christiansen“ nicht gewusst hätte, wo das streitgegenständliche Zitat von Herrn El-Zayat abgedruckt bzw. veröffentlicht worden ist. („Ja, so ist das eben, wenn Politiker sich nicht richtig auf solche Diskussionen vorbereiten.“)
Die Autorin irrt. Zitiert habe ich aus dem Buch von Udo Ulfkotte „Der Krieg in unseren Städten“, worauf Herr El-Zayat zutreffend hingewiesen hat. Wer die Fernsehsendung gesehen hat weiß, dass ich eine Fotokopie dieses Textes bei mir hatte. In diesem Text heißt es u. a. wörtlich: „Für das islamische Jugendmagazin TNT verfasste er (El-Zayat) z. B. einen Bericht, in dem es heißt: „… ,vgl. Udo Ulfkotte, „Der Krieg in unseren Städten“, Seite 35. Ich wusste daher genau wo der Text erschienen war und konnte dies auch anhand der Fotokopie in der Sendung nachweisen.
Die Autorin beklagt sich darüber, ich hätte einen Teil des Textes falsch zitiert, auch dies ist nicht zutreffend. Ich habe lediglich das Wörtchen „Ummah“ mit den Worten „Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime)“ näher erläutert, damit die Zuschauerinnen und Zuschauer wissen, was sich hinter der Formulierung „Ummah“ verbirgt.
Leider zitiert die Autorin Frau Becker den Text von Herrn El-Zayat unvollständig, denn in der streitgegenständlichen Passage heißt es nicht nur „Der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen“, sondern „um es der islamischen Ummah und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen“.
Daher hier noch einmal der Originaltext: „Dieses Land ist unser Land und es ist unsere Pflicht es positiv zu verändern. Mit der Hilfe Allahs werden wir es zu unserem Paradies auf der Erde machen, um es der islamischen Ummah und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen.“
Wörtlich heißt es in dem Artikel von Frau Becker weiter: „In der Originalversion von Ibrahim war aber nicht von der „Gemeinschaft der Gläubiger insgesamt“, also der Ummah, sondern von der „Menschheit insgesamt“ die Rede. So konnte Bruder Ibrahim, der das wohl gemerkt hat, ohne mit der Wimper zu zucken sagen: „So habe ich das nicht gesagt.“ Hier hat Frau Becker für Herrn El-Zayat eine Verteidigungslinie konstruiert, die er noch nicht einmal selber (!) für sich in Anspruch genommen hatte.
Leider konnte Frau Becker folgendes nicht wissen: Ich habe im Anschluss an die Sendung Herrn El-Zayat natürlich sofort gefragt, warum er in der Sendung bestritten habe, dass der von mir zitierte Text von ihm stamme. Daraufhin hat Herr El-Zayat mir erklärt, er habe nicht geschrieben „Dieses Land ist unser Land“, sondern „Dieses Land ist auch unser Land“, dies sei eine andere Aussage. Herr Ulfkotte habe seinen Text falsch zitiert. Er würde mir seinen, den richtigen, Text sofort übersenden. (Was natürlich bis heute nicht geschehen ist).
Auf die Idee, sich so zu verteidigen, wie Frau Becker dies in ihrem Aufsatz tut, ist Herr El-Zayat selber überhaupt nicht gekommen. In dem Originaltext der Ausgabe des Jugendmagazins „Themen, Nachrichten, Trends“, Ausgabe Nr. 1, heißt es jedoch: „Dieses Land ist unser Land …“ und nicht „Dieses Land ist – auch – unser Land“, sodass Herr El-Zayat schlicht und ergreifend die Unwahrheit gesagt hat.
Falsch ist auch seine Behauptung, der Autor Ulfkotte habe wegen Falschbehauptungen in dem Buch 32 Prozesse verloren und deshalb hätte dies eingestampft werden müssen. Herr El-Zayat hat diesbezüglich zwischenzeitlich eine formvollendete Unterlassungserklärung abgegeben, in der es u. a. wörtlich heißt: „Verpflichtet sich gegenüber Herrn Dr. Udo Ulfkotte es bei Meidung einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung von Dr. Ulfkotte festzusetzenden und im Streitfall vom zuständigen Gericht zu überprüfenden Vertragsstrafe zu unterlassen, zu behaupten oder zu verbreiten, das Buch von Dr. Ulfkotte „Der Krieg in unseren Städten“ sei ein Buch, das 32 Prozesse verloren hat und deshalb eingestampft worden ist.“
Herr El-Zayat war in dem Disput mit mir weder clever noch schlitzohrig, vielmehr hat er schlicht und ergreifend die Unwahrheit gesagt. Unter „clever und schlitzohrig“ stelle jedenfalls ich mir andere Verhaltensweisen vor, nicht solche, mit denen ein Millionenpublikum getäuscht wird.
Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen
Ihr
Wolfgang Bosbach
Die Autorin des Märchens, Frau Hildegard Becker, hat Herrn Wolfgang Bosbach daraufhin wie folgt geantwortet:
Sehr geehrter Herr Bosbach,
Zu Ihrem Brief an Herrn Denso möchte ich einige Anmerkungen machen.
Sie schreiben, sie hätten genau gewusst, wo der Text von Ibrahim El-Zayat erschienen war. Schade dass Sie es den Fernsehzuschauern nicht mitgeteilt haben. Sollte Ihre Quelle das Buch von Udo Ulfkotte gewesen sein, dann ist dazu folgendes zu sagen: Udo Ulfkotte benennt seine Quelle nur nebulös. Es fehlen die Ausgabennummer, das Erscheinungsjahr von TNT und jeder Hinweis darauf, dass es sich um das damalige (1996) Verbandsorgan der „Muslimischen Jugend in Deutschland“ (MJD) gehandelt hat – Informationen, die für eine verlässliche und gewissenhaft angegebene Quellenangabe unverzichtbar sind. Außerdem ist das Buch keine Primärquelle.
In Ulfkottes Zitat fehlt übrigens das für das Verständnis des Satzes wichtige „und“:
„…um es der islamischen Ummah (und) der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen“, heißt es da.
Sie schreiben weiter, es sei nicht zutreffend, dass Sie einen Teil des Textes falsch zitiert hätten.
Der folgende Textvergleich zeigt die Unterschiede:
Bosbach (wörtlich): [die Rede ist vom Paradies auf Erden} „…um es der islamischen Ummah, der Menschheit, der Gemeinschaft der Gläubigen insgesamt, zur Verfügung zu stellen“.
El-Zayat (Originaltext): :: „… um es der islamischen Ummah und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen.“
Durch die falsche Platzierung Ihrer „Erläuterung“ ist der Eindruck entstanden, Sie hätten die islamische Ummah (also die Gemeinschaft der Gläubigen) mit der gesamten Menschheit gleichgesetzt. Das steht aber im Widerspruch zum Originaltext.
Herr El-Zayat hat in der Sendung mitgeteilt: „So habe ich es nicht gesagt,“ – womit er ja „schlitzohrig“ sogar Recht hatte. Das habe ich in meinem „Wintermärchen“ geschrieben. Eine Verteidigungslinie habe also nicht ich für Herrn El-Zayat aufgebaut, sondern dieser selbst hat diese Verteidigungshaltung – eben durch diesen Satz – eingenommen.
Weiter berichten Sie über ein Gespräch nach der Sendung, in dem Ibrahim El-Zayat behauptet habe, er hätte nicht geschrieben: „Dieses Land ist unser Land“, sondern „dieses Land ist auch unser Land“. Sie haben an Hand des Originaltextes, den ich Ihnen auf Ihre Bitte hin sofort nach der Sendung zugeschickt habe, den Beleg dafür gefunden, dass dies nicht stimmt. Das Wörtchen „auch“ – da stimme ich voll mit Ihnen überein – gäbe in der Tat dem Satz einen anderen, nämlich relativierenden Sinn. Schade, dass Herr El-Zayat das nicht in der Sendung gesagt hat. Mir wäre dazu sicher noch etwas „Märchenhaftes“ eingefallen.
Bei meinem „Wintermärchen“ handelt es sich im übrigen um eine offensichtlich märchenhafte Erzählstruktur. Für die von mir gezogenen Schlussfolgerungen auf Grund der in der Sendung gefallenen Äußerungen kann ich daher insgesamt nur ganz schlicht und sachlich feststellen: Es gilt das gesprochene Wort.
Übrigens danke ich Ihnen ganz besonders für Ihre Ausführungen über Ihr Gespräch mit Herrn El-Zayat nach der Sendung. Damit, sehr geehrter Herr Bosbach, bestätigen Sie ja freundlicherweise – noch deutlicher als ich es geschrieben habe – genau das, was ich in dem „Wintermärchen“ zum Ausdruck gebracht habe. Dass die Reaktion von Ibrahim El-Zayat als „schlitzohrig und clever“ betrachtet wird, ist die Perspektive der Person, die meinen Märchentext trägt, nämlich die handelnde, erzählende Figur Oma Sabiha. Sie dürfte durchaus einem gewissen Kreis der Anhänger von Ibrahim El Zayat entsprechen, die – in der aktuellen Realität – die Sendung voraussichtlich gesehen haben. Für alle anderen, mich eingeschlossen, gilt das, was Sie schreiben:
„Vielmehr hat er schlicht und ergreifend die Unwahrheit gesagt. Unter „clever und schlitzohrig“ stelle jedenfalls ich mir andere Verhaltensweisen vor, nicht solche, mit denen ein Millionenpublikum getäuscht wird.“
Sehr geehrter Herr Bosbach: Ich auch!
Mit freundlichen Grüßen
Hildegard Becker