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Kategorie Islamismus  

Auch Muslime sollten den Fanatismus bekämpfen

23.04.2004: Terroristische Untaten werden islamisch begründet und in Moscheen wird Fanatismus gepredigt. Sicher ist die Mehrheit der Muslime friedlich, aber sie sollten Verantwortung übernehmen für das, was im Namen ihrer Religion geschieht. Von Hildegard Becker

Man sagt, Muslime in Deutschland hätten sich lau und halbherzig vom islamistischen Terror distanziert. Das stimmt so nicht. Man mag zwar kritisieren, dass sie für das Kopftuch auf die Straße gegangen sind, nicht aber gegen den Terror. Doch die meisten Verbände haben ihre Ablehnung des Terrors besonders nach den Anschlägen vom 11. September 2001 immer wieder klar zum Ausdruck gebracht, wenn auch manchmal verspätet, wie nach den Terroranschlägen in Madrid am 11. März 2004.

Doch hatten diesmal die beiden konkurrierenden Spitzenverbände, „Islamrat“ und „Zentralrat der Muslime“ sich schließlich sogar zu einer gemeinsamen Erklärung durchgerungen. Oft findet man solche Erklärungen allerdings nur in den eigenen islamischen Medien, die von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Das aber kann man nur bedingt den Muslimen anlasten.

Alle wollen Frieden. Kritik ist dennoch angebracht, denn die stereotype Argumentation überzeugt nicht. Sie lautet: „Der Islam ist Frieden. Islam hat mit Terror nichts zu tun“. Doch das führt nicht weiter. Schließlich wollen ja alle Religionen Frieden, und keine will den Terror. Terror geschieht dennoch. Im Namen von Religionen.

Muslime sagen auch: „Ein echter Muslim tut so etwas nicht“ oder „diese abscheulichen Taten können in keiner Weise islamisch begründet werden.“ Fakt aber ist: Sie WERDEN islamisch begründet, und zwar mit sattsam vorhandenen Koranversen, die solche wie auch immer irre geleiteten Interpretationen ermöglichen.

Verantwortung übernehmen. Unbestritten gibt es viele Gründe, die Menschen in Fanatismus und Gewalt treiben. Aber EIN Grund liegt eben AUCH in den real existierenden Religionen selbst. Kollektive Schuldzuweisung wäre fehl am Platz. Doch so wie Christen für die Kreuzzüge gerade stehen, so müssen auch Muslime lernen, für das, was im Namen ihrer Religion passiert, Verantwortung zu übernehmen.

Die eigene „Vergangenheitsbewältigung“ der Muslime aber steht noch aus. Und mit wohlfeilen Parolen verhindert man die dringend fällige innerislamische Auseinandersetzung, die eben auch die inhumanen Deutungen sehr widersprüchlicher Koranverse mit einschließen muss.

Position beziehen.Es gibt also Klärungsbedarf. Ein Beispiel: Der prominente Scheich al-Qaradawi billigt in einer „Fatwa“, einem islamischen Gutachten also, dass auch Frauen in Palästina „für den Islam“ Selbstmordattentate begehen. Er bezeichnet das als „höchst lobenswerte Form des Gottesdienstes“, und die Frau dürfe dabei gar das Kopftuch ablegen. Nachzulesen im Internet, bei der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“. Diese ist ebenso Mitglied im Zentralrat der Muslime wie der Autor des Artikels, Ahmad von Denffer. Wo bleibt die islamische Stimme, die dazu Position bezieht?

Ähnliches fragt man sich, wenn man in einem Internet-Forum (www.politikforum.de; Thema: „Faschistoider Islam – tja was ist faschistoid?“) eine, wie es dort heißt, dem „Islamischen Zentrum Münster“ entnommene Fatwa über die Frage liest, wie denn so genannte „Ungläubige“ zu behandeln seien, worunter hier übrigens auch Christen und Juden verstanden werden.

Anhand zahlreicher Koranverse werden diese nämlich gewissermaßen zum Abschuss frei gegeben. Da reicht es nicht zu sagen: „Das ist nicht unsere Ansicht“. Tatsache ist: Es GIBT diese Ansicht, und das nicht zu knapp. Denn es sind nicht, wie behauptet, nur „wenige Außenseiter“, die dem Fanatismus den Nährboden bereiten.

Tabu brechen. Ungemütlich wird es einem schon auch, wenn das Ehrenbeiratsmitglied des Zentralrats, Murad Hofmann, die Säkularität, die er abwertend Säkularismus nennt, als eine „geographisch recht begrenzte Angelegenheit“ bagatellisiert und hinzufügt, es sei an der Zeit, das Tabu zu brechen und dieses „Dogma“ zu hinterfragen (IGD-Jahrestagung). Wen wundert es da, wenn so manch einer die Islamisierung der deutschen Gesellschaft befürchtet? Ganz ohne Terror. Klar doch.

Richtig ist: die Mehrheit der Muslime ist friedfertig; falsch aber ist es zu behaupten, Terroristen suchten nicht Moscheen für ihre Planungen auf (N. Elyas: Interview BZ 18.3.04). Also sei es unangemessen, sie zu überwachen.

  Über das Vorgehen
  gegen "Haßprediger"
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Die Haßprediger zum
  Schweigen bringen

Dass der Nährboden für fanatisch-extremistische Geisteshaltungen eben AUCH in Moscheen „gezüchtet“ wird, lässt sich – denkt man etwa an die Bonner König-Fahd-Akademie – wohl schwerlich leugnen. Auch nicht, dass in der Berliner Al-Nur-Moschee ein Tunesier „offenbar martialische Lektionen im Fitnessraum eines Gotteshauses“ (SZ 28.2.04) erteilte.

Eigene Webseiten. Dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime ist beizupflichten, wenn er sagt, man müsse die Ursachen des Terrorismus erforschen. Das gilt eben AUCH für die Muslime. Es müsste im Interesse der Verbände liegen, gefährliches Gedankengut aufzuspüren, anzuprangern und zu verhindern, vor allem dort, wo sie ihren Einfluss geltend machen könnten, das heißt: im Internet auf eigenen Webseiten und vor allem in den Moscheen.

Es ist ja eben dieser religiös-ideologische Nährboden, auf dem Fanatismus und Terrorismus gedeihen. Am Erfolg oder Misserfolg solcher Bemühungen wird sich zeigen, wer denn tatsächlich die Meinungsführerschaft in den Moscheen hat.


Der Kommentar wurde in gekürzter Fassung im Hessischen Rundfunk in der Sendung „Am Sonntag Morgen“, 18.4.2004, 8.05-10.00 Uhr ausgestrahlt

23.04.2004 / B. Schmalenberger

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