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Kategorie Islamismus  

Saudi-Arabien: Schulbücher lehren Hass auf "Ungläubige"

31.05.2006: Nach offiziellen Angaben hat die saudische Regierung alle intoleranten Inhalte aus Schulbüchern entfernt. Eine Studie beweist, dass Schüler noch immer im Hass auf Christen und Juden, aber auch andere Muslime unterrichtet werden. Von Hildegard Becker

„Wir haben unsere Lehrpläne komplett überarbeitet und aus den Textbüchern Inhalte entfernt, die als intolerant wahrgenommen wurden.“ Das sagte bereits vor einem Jahr ein saudischer Regierungssprecher, und das wiederholte erst kürzlich, nämlich am 18. Mai 2006, der saudische Botschafter in den USA, Prinz Turki al-Faisal.

Dies aber entspricht nicht der Wahrheit, sagt das „Center for Religious Freedom“ [Zentrum für Religionsfreiheit] in Washington. Das Zentrum hat  zusammen mit dem „Institute for Gulf Affairs“[Institut für Golfangelegenheiten] eine Studie mit dem Titel „Saudi-Arabiens Lehrplan der Intoleranz“ erarbeitet. Für die Studie wurden 12 aktuelle religiöse Lehrbücher des saudischen Bildungsministeriums untersucht. Das Original ist im Internet einsehbar unter
www.freedomhouse.org/religion/pdfdocs/KSAtextbooks.pdf .  

 

 
Saudi-arabische Fahne

Der Studie zufolge handelt es sich bei der angeblichen Überarbeitung von Textbüchern lediglich um kosmetische Korrekturen. Die Bücher seien weiterhin „in einer Sprache gehalten, die gegenüber so genannten ‚Ungläubigen’ intolerant ist“, und das schließe sowohl Juden und Christen als auch sämtliche Muslime mit ein, die sich nicht zu der rigorosen Schriftauslegung der Wahhabiten-Sekte bekennen. Die islamische Wahhabi-Richtung ist Grundlage der politischen Ideologie des saudischen Staates; sie ist auch die Grundlage für die saudischen Lehrpläne.

Die Studie zeigt, dass die Lehrbücher schiitische Muslime und Sufi-Muslime verleumden; sie werden „Polytheisten“ genannt, und ihre Glaubenspraxis wird als „ketzerisch“ bezeichnet. Muslime werden aufgerufen, diese zu hassen; Juden, Christen und Freimaurer werden beschuldigt, Muslime zu unterdrücken; sie seien „Feinde der Muslime“, und der Konflikt zwischen Juden und Muslimen werde bis zum Jüngsten Tag andauern, am Ende werde der Islam siegen.

Die Verbreitung des Islam durch den Jihad sei eine religiöse Pflicht;  Fälschungen wie „Die Protokolle der Weisen von Zion“ werden als historische Tatsachen betrachtet und in die Lehrpläne mit einbezogen; die Schüler werden aufgefordert, gegenüber „Ungläubigen“ ‚zwar nicht ungerecht zu sein,’ sie aber nicht zu grüßen, sie nicht zu imitieren, ihnen gegenüber weder Loyalität zu zeigen noch sie zu respektieren, ihnen zu helfen oder höflich zu ihnen zu sein.

Was in Saudi-Arabien gelehrt wird, ist für uns in Europa oder in den Vereinigten Staaten nicht von Belang, mag manch einer denken. Doch in der immer enger zusammenwachsenden, globalisierten Welt, trifft diese Sicht nicht mehr zu. Das hebt der Präsident des „Center for Religious Freedom“, Peter Ackermann, deutlich hervor:

Muslime in aller Welt mit diesen Büchern unterrichtet

„Was immer heute in öffentlichen Schulen Saudi-Arabiens über Muslime und ihre Beziehungen zu anderen Religionen und Kulturen gelehrt wird, das wird Einfluss haben auf eine neue Generation von Saudis, aber auch auf eine wachsende Zahl von Muslimen in der ganzen Welt, die mit diesen Textbüchern unterrichtet werden.“ und jüngere Ereignisse, ob in Darfur, Kosovo oder Ruanda, haben gezeigt, wie hoch die menschlichen Kosten als Folge solcher Hass-Ideologien sind.

Die Studie weist auch zu Recht auf die Rolle der saudischen Regierung in der Verbreitung einer Ideologie des islamischen Extremismus in ihren sonstigen bildungspolitischen Publikationen hin. Derartige Schriften, die religiösen Hass und Antisemitismus propagieren, finden auch in westlichen Ländern Verbreitung, vor allem in Moscheen.

"Wenn das laufende Schuljahr endet,“ heißt es in der Studie,  „werden Tausende neuer Schulabgänger in Saudi-Arabien ihre Schulen mit dem ihnen eingeimpften Glauben verlassen, dass alle, die einen anderen Glauben haben als den [wahhabitischen] Islam, moralisch minderwertig, ja sogar böse sind. Ihre Textbücher werden ihnen beigebracht haben, dass eine friedliche Koexistenz mit so genannten „Ungläubigen“ unerreichbar sei, und dass Gewalt zur Verbreitung des Islam nicht nur erlaubt, sondern eine religiöse Pflicht sei.“

 
König-Fahd-Akademie in Bonn

Bedenkt man, dass es in anderen Ländern der Welt achtzehn saudische Schulen gibt, denen jeweils der saudische Botschafter vorsteht, dann ist Saudi-Arabien auch dem Westen näher, als manch einer es gerne wahrhaben möchte. Und was Deutschland betrifft: saudische Schulen gibt es nicht nur in Algiers, Ankara, Istanbul, Beijing, Jakarta, Karatschi, Kuala Lumpur, Djibouti, Islamabad, Tunis, Rabat, Moskau, Rom, Madrid und London, sondern auch in Bonn und Berlin.

Die König-Fahd-Akademie in Bonn war ja unter anderem wegen gefährlicher islamistischer Inhalte ihrer Schulbücher in die Schlagzeilen geraten. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass nicht auch hier weiterhin saudische Textbücher im Unterricht verwendet werden.

Auszüge aus dem Anhang zu der Studie über saudische Lehrbücher, übersetzt aus dem Englischen:
 
Im Lehrbuch für die erste Klasse wird Schülern beigebracht, dass Juden, Christen und andere Nicht-Muslime für das "Höllenfeuer." bestimmt sind.

  • Jede Religion außer dem Islam ist falsch

Ein Lehrbuch für die vierte Klasse verlangt - als Erfordernis von „wahrem Glauben“ – von den Schülern, "Polytheisten und Ungläubige zu hassen (tubghida)"
 
Das Thema „Hass auf Ungläubige“ wird in einer Diskussion über Loyalität und Freundschaft in einem Lehrbuch der fünften Klasse über Monotheismus, Hadithe, Jurisprudenz und Qur'an-Rezitation weiter entwickelt:

  • Es ist verboten, dass ein Muslim ein loyaler Freund von jemandem ist, der nicht an Gott und seinen Propheten glaubt, oder von jemandem, der die Religion des Islam bekämpft“. 

Das Lehrbuch für die sechste Klasse über Monotheismus, Hadithe, Jurisprudenz und Qur'an-Rezitation unterweist die Schüler, bei Begräbnissen nicht "zu weinen" oder an Grabstätten "zu beten" oder Moscheen über Gräbern zu errichten und verbietet somit die Trauertraditionen von vielen Schiiten und anderen Muslimen.
 
Ein weiterer für die sechste Klasse bestimmter Text über die Geschichte des Königreichs Saudi-Arabien enthält eine Lektion über Palästina, in der die Schüler unterrichtet werden, dass die Muslime, wenn sie sich im "Kampf" gegen die Juden vereinigen, siegreich über die Juden sowie über ihre amerikanischen und britischen Verbündeten sein werden, wie sie einst siegreich über die christlichen Kreuzfahrer waren. Da das Thema der Kreuzzüge mit der Palästinafrage verquickt wird, kann der Text leicht so gelesen werden, dass mit  "Kampf" ein militärischer Kampf gemeint sein könnte oder sollte. Eine Landkarte der Region wird beigefügt, aber sie kennzeichnet Israel innerhalb der Grenzen vor 1967 als "Palästina: Besetzt 1948."
 
Das Lehrbuch für die achte Klasse warnt davor, die Ungläubigen zu „imitieren“ und weist die Schüler an, "verdammenswerte" Charakterzüge bei Juden zu entdecken. Es lehrt sie auch, dass zu den „Ungläubigen“ die Muslime zählen, die nicht der wahhabitischen Glaubenspraxis folgen, über Grabstätten keine Moscheen zu bauen.

  • “Sie sind das Volk des Sabbats, dessen junge Leute Gott zu Affen machte, und dessen alte Leute Gott zu Schweinen machte, um sie zu bestrafen". “Bei Ibn Abbas heißt es: Die Affen sind Juden, die den Sabbat wahren; während die Schweine die christlichen Ungläubigen aus der Gemeinschaft
    von Jesus sind."

Ein saudisches Lehrbuch für die neunte Klasse über Hadithe lehrt die Teenager in apokalyptischen Worten, dass Gewalt gegen Juden, Christen und andere Ungläubige von Gott gebilligt wird. Es zitiert ein besonders aufreizendes Hadith über Gewalt gegen Juden und macht dies vielseitig anwendbar, ohne einen historischen Zusammenhang zu liefern, und es ignoriert andere Hadithe, die dem widersprechen und Achtung vor den Juden zeigen. Schließlich verknüpft es diese Lektion direkt mit der politischen Lage der Palästinenser:

  • “Der Konflikt zwischen dieser [muslimischen] Gemeinschaft (umma) und den Juden und Christen dauert schon seit langem an, und er geht weiter, solange Gott will. In diesem Hadith gibt uns Mohammed ein Beispiel für den Kampf zwischen den Muslimen und den Juden“. "Abu Hurayrah berichtet: Der Prophet sagte, dass die Stunde [des Gerichts] nicht kommt, bis die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten. [Sie kommt nicht] bis sich der Jude hinter Steinen und Bäumen versteckt. [Sie kommt nicht] bis die Steine oder die Bäume sagen, ' O Muslim! O Diener Gottes! Es gibt einen Juden hinter mir. Komm und töte ihn“. 

Ein Lehrbuch für die zehnte Klasse enthält eine lange Diskussion, in der Anhänger anderer islamischer Glaubenstraditionen, welche den Qur’an auf andere Weise interpretieren [als die Wahhabiten], zu "Polytheisten" erklärt werden; damit wird auf andere Sunniten, Schiiten und Sufis angespielt, die zusammen die Mehrheit der Muslime bilden, sowohl in Saudi-Arabien als auch weltweit.
 
Ein anderes Lehrbuch für Jungen der zehnten Klasse über die Hadithe und die islamische Kultur enthält eine Lektion über die "zionistische Bewegung“. Es ist eine seltsame Mischung wilder Verschwörungstheorien und antisemitischer Beschimpfung von Freimaurerlogen, Rotary und Lions Clubs. Es versichert, dass die Protokolle der Weisen von Zion ein authentisches Dokument sei, und es lehrt die Schüler, dass dieses Buch enthülle, was Juden wirklich glauben.
 
Das Lehrbuch für die elfte Klasse für Jungen im Fach Management, Sozialkunde, Naturkunde und technische Studien weist Muslime an, keine Ungläubigen zu grüßen und keine Höflichkeiten mit ihnen auszutauschen.

  • “Der Gruß 'Friede sei mit Ihnen' ist ausschließlich für die Gläubigen. Er kann anderen nicht entboten werden "

Das Lehrbuch enthält auch einen selektiven Geschichtsunterricht über die "Bedrohung durch die Kreuzfahrer", die als der "Ursprung des Konfliktes zwischen den Muslimen und den Christen" bezeichnet werden. Das Lehrbuch erwähnt nicht die muslimische Eroberung des Nahen Ostens oder die muslimischen Invasionen von Europa vor den Kreuzzügen oder irgendein Beispiel für die friedliche Koexistenz zwischen den Muslimen und dem Westen oder ein Beispiel für die Militärunterstützung und Kooperation der USA mit Saudi-Arabien oder anderen muslimischen Ländern.

Es lehrt, dass die Bedrohung der Muslime durch die Kreuzfahrer mit dem ersten Kreuzzug im Jahr 1095 begann und sich in jüngster Zeit mit der christlichen Missionstätigkeit, den Orient-Studien und dem Kolonialismus fortsetzt. Es betrachtet "das Aufwerfen der Frauenfrage" als einen Teil des modernen Kreuzzugs. Verschiedene medizinische Hilfseinsätze, christliche Schulen, Universitäten, Radioprogramme und soziale Dienste im Nahen Osten werden namentlich als Teil des modernen Kreuzzugs genannt.
 
Ein Lehrbuch für die zwölfte Klasse über Hadithe und islamische Kultur für Jungen im Fach Management, Sozialkunde, Naturkunde und technische Studien enthält ein Kapitel "Djihad auf dem Weg Gottes". Es erklärt verschiedene Bedeutungen von Djihad und untersucht ihre Anwendung. Während, wie der Text erklärt, eine der Bedeutungen von Djihad Selbstvervollkommnung ist oder "Das Ringen mit dem Geist", wird darin auch eine militantere Bedeutung gerechtfertigt.

In dieser Diskussion wird nicht erwähnt, dass Zwang im Islam verboten ist. Es wird auch nicht geklärt, ob „Ungläubige“ mit militärischen Mitteln dazu gezwungen werden können, sich dem "Ruf" zu ergeben. Tatsächlich rechtfertigt das Lehrbuch in wiederholten Erklärungen einen militanten Djihad für das Ziel der Glaubensverbreitung. Das Wort qital, das hier mit „Kampf“ übersetzt wird und von qatala "töten" abgeleitet ist, wird praktisch nie metaphorisch gebraucht.

 

 

31.05.2006 / B. Schmalenberger

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