TopNews
by ebiz
Artikelsuche 
> Nachrichtenticker
> Archiv
Datum: 19.05.2012 > Login > Registrierung
Anzeige
webcounter und webstatistik

Newsletter

Bitte melden Sie sich bei unserem Newsletter an.
Email:
anmelden
abmelden

Anzeige
webcounter und webstatistik
Sicherheit-Heute
Unsere Artikel wurden von Sicherheit Heute zur Verfügung gestellt!

Das Script kaufen können Sie unter www.ebiz-today.de

Kategorie Die Bedrohung Europas  

Grausame Entführungs-Industrie

10.04.2006: Die neue 'Waffengattung' im islamistischen Djihad mit je 2.500 Entführungen im Irak und in Tschetschenien: Aus archaischen Viehräubern wurden moderne Menschenräuber, aus der Mafia religiöse und auch kriminelle Netzwerke. Von Berndt Georg Thamm

Als der sardische Viehzüchter das blutende Ohr eines Stieres zugeschickt bekamen, wusste er genug: er zahlte ohne Zögern das geforderte Lösegeld und erhielt seinen wertvollen Zuchtstier wieder. Für die Mittelmeerinsel ist dies keine ungewöhnliche Erfahrung, denn sardische Gruppen (Banditismo) betreiben seit Generationen das einträgliche Entführungs-Geschäft.

Aus archaischen Viehräubern wurden ab den 1920er Jahren moderne Menschenräuber, Spezialisten für Entführung mit Lösegelderpressung. Sardische Entführerbanden wie die „Anonima Marda“ organisierten beispielsweise von 1960 bis 1992 fast 180 Entführungen; jede brachte den Banditi durchschnittlich eine Million €. 

Entführungen sollen den Drogenhandel finanzieren 

Auch im Süden Italiens hat sich eine alte Gruppe des organisierten Verbrechens auf diese Einnahmeart spezialisiert, die Ndrangheta in der Region Kalabrien. Ihre Clan-Mitglieder spähten zum Beispiel in der reichen Lombardei potentielle Entführungsopfer aus, kidnappten sie und verschleppten sie in das unzugängliche Aspromonte-Gebirge. Nach Zahlung der geforderten Lösegeldsumme durch die Verwandten der Opfer wurden die Entführten - in der Regel unversehrt - freigelassen.

Die Millionen aus dem Entführungsgeschäft wurden nicht selten in den Drogenhandel investiert. Profite aus diesen Geschäften dienten dann zum Ankauf von Ländereien. Entführungen waren hier nur Mittel zur Anschub-Finanzierung für das lukrativere Geschäft mit Betäubungsmitteln, deren Erlöse schlussendlich in sicheren Immobilien angelegt wurden. 

 In der Gewalt von Kidnappern  Bild: dpa/Picture-Alliance 

 

In Italien spiegelt die Statistik oft nicht die tatsächliche Anzahl der zum Teil spektakulären Entführungsfälle wieder, da ein Gesetz es den Angehörigen untersagt, mit den Entführern zu kooperieren. Das hat wiederum dazu geführt, dass die Angehörigen - wenn möglich - an der Polizei vorbei mit den Entführern über das Lösegeld verhandelten.

Derartige Beispiele belegen, dass die Entführung mit Lösegelderpressung keine Erscheinung der Neuzeit oder gar des modernen islamistischen Terrorismus ist, sondern eine seit langem praktizierte Einnahmequelle von Verbrechens-Gruppierungen in Europa, insbesondere von Gruppen der italienisch organisierten Kriminalität (IOK). Allein die letztgenannten entführten von 1945 bis 1997/98 mehr als 1000 Personen. 

Kolumbien 1994 mit 4000 Entführungen Weltspitze 

Der „Weltmarktführer“ in Sachen Entführung hat seinen Sitz jedoch nicht in Europa, sondern in Lateinamerika. Angesichts sehr großer Einkommens-Unterschiede und einer mehr oder weniger ineffizienten Polizei hat hier seit dem 1990er Jahren der Menschenraub regelrecht Hochkonjunktur gehabt. Nach Angaben von Kroll Associates 1995 gab es in Mittel- und Südamerika 1994 etwa 6000 Entführungen. Mit 4000 Entführungen lag Kolumbien vor allen anderen: Weltspitze. Allein hier wurden von 1992 bis 1994 gut 400 Millionen $ an Lösegeld gezahlt.

  Allein im Jahr 1994
  lag Kolumbien mit
  4000 Entführungen
  vor allen anderen
  an der Weltspitze

Die auf diesem Gebiet tätige Londoner Firma Control Risk Group (CRG) weiß, dass „ vor allem Gangsterbanden in Entwicklungsländern in die Entführung von Besuchern aus Industrienationen als besonders lukrative Einnahmequelle entdeckt haben und den Menschenhandel mit zunehmender Perfektion betreiben.“ 

In Kolumbien wurde der Menschenraub besonders nach dem Tod des Kokain-Kartellchefs von Medellin Pablo Escobar 1993 zum reinen Gelderwerb, der zunehmend von den Guerilla-Bewegungen der FARC und der ELN dominiert wurde. Ihre Lösegeldforderungen richteten sich nach Herkunft und Position der Entführten.

Schon vor zehn Jahren - im Herbst 1996 - verlangten die paramilitärischen Gruppen für gekidnappte Unternehmer und Händler 40000 $, für Großgrundbesitzer und Viehzüchter 65000 $, für Führungskräfte der Erdöl und Smaragdindustrie 85.000 $ und für Spitzenkräfte ausländischer Firmen über eine Million $. 

Mitte der 1990er Jahre "industrielles Stadium

Spektakulär war seinerzeit ein Fall deutscher Geheimdiplomatie - vorbei am kolumbianischen Außenminister: Im November 1996 verhaftete die kolumbianische Polizei den Privat-Agenten Werner Mauss. Dieser hatte - in engem Kontakt zu Staatsminister und Geheimdienst-Koordinator im Bundeskanzleramt, Bernd Schmidbauer - sich um die Freilassung ausländischer Geiseln der dortigen „Entführungsindustrie“ durch Kontakte zur Guerilla bemüht.

  1995 brachten über
  1200 Entführungen
  der kolumbianischen
  Kidnapping-Branche
  geschätzte 530 Mio
$

Kolumbien war damals über dessen geheime Missionen nicht sonderlich erbaut. Dennoch bleibt die Tatsache, dass Guerilla und Kriminelle die Entführung Mitte der 1990er Jahre in ein quasi „industrielles Stadium“ geführt hatten. 1995 brachten weit über 1200 Entführungsfälle der kolumbianischen Kidnapping-Branche geschätzte 530 Millionen $. 

Eine Analogie zu Kolumbien gab es auch in der östlichen Hemisphäre. Dort entwickelte sich seinerzeit die philippinische Kapitale Manila zur „ Kidnapper-Hauptstadt Asiens“. Während im profitablen Lösegeldgeschäft in den städtischen Ballungszentren mehr Gangsterbanden dominierten, kassierten im ländlichen Bereich vor allem die muslimischen Guerillagruppen („Moros“) ab.

Auf der philippinischen Insel Mindanao waren dies beispielsweise die Kämpfer der 1976/77 gegründeten „Moro Islamic Liberation Front“ (MILF), der mit rund 25.000 Mann größten Organisationen im Moro-Widerstand. Von der Weltöffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt wurden Jahr für Jahr mehrere 100 Menschen entführt und gegen Lösegeldzahlung freigelassen. 

Al-Qaida-Handbuch für Entführungen 

Weltweit wurde der Moro-Widerstand durch die Gruppe „Abu Sayyaf“ (Vater des Schwertes) im April 2000 bekannt. Die Gruppe hatte auf der malaysischen Ferieninsel Sidapan 21 Menschen, darunter die Familie Wallert aus Deutschland auf die südphilippinische Insel Jolo verschleppt.

Pressekonferenz der Geiselnehmer auf Jolo                Bild: dpa/Picture-Alliance 

Die Gruppe - sie soll Kontakte zur Al-Qaida gehabt haben - kämpft bis heute für einen unabhängigen Moslemstaat in der Region. Moro-Kämpfer hatten sich einst von Al-Qaida-Instrukteuren in Afghanistan paramilitärisch schulen lassen. Ausgebildet wurde nach dem Terror-Handbuch „Militärische Studien des Djihad im Kampf gegen die Tyrannen“. Dazu gehörte auch die wahhabitische Denkweise, die nur zwischen Gläubigen und Ungläubigen, aber nicht zwischen Militärs und Zivilisten unterscheidet.

Dementsprechend wurde in diesem Al-Qaida-Handbuch schon in der ersten Lektion die „ Entführung von feindlichen Personen“ (aber auch Anschläge auf „ausländische Touristen“) als wichtige Mission beschrieben. Entführungen wurden damit zum integralen Bestandteil - sozusagen zur „eigenständigen Waffengattung“ - des asymmetrisch geführten, territorial unabhängigen und auf lange Zeit angelegten Djihad gegen Ungläubige. 

   Der Clan-Kodex
  regelte Rechte
  und Pflichten, zu
  denen auch die
  "heilige" Pflicht zur
  Blutrache gehörte
Seit alter Zeit spielen Entführungen auch in verschiedenen Gesellschaften mit Stammes-Strukturen eine Rolle. Eine archaische Werte-Ordnung (Gewohnheitsrecht der Stämme, Clan-Kodex) regelte Rechte und Pflichten (also Asyl, Bewirtung, Verteidigung der Ehre, Zugangsrechte zu Weide und Wasser) der Stämme, zu denen auch die „heilige“ Verpflichtung zur Blutrache gehörte und bis heute gehört.

Dieser uralte Ehrenkodex der Stämme ist so bedeutsam, dass er sogar das jüngere islamische Recht zu modifizieren vermag. Das gilt für die beduinischen Stämme Arabiens. Schon zu Zeiten der Imam-Könige, die bis zur Revolution von 1962 den Nordjemen beherrschten, galten Entführungen als eine legitime Form der politischen Einflussnahme. Die Stämme Südarabiens erpressten die Zentralgewalt, um (meist soziale) Forderungen durchzusetzen, die letztlich dem Wohl der Stammes-Mitglieder dienen sollten.  

Ex-Staatssekretär mit Familie als Faustpfand 

Seit Jahrzehnten gehören Entführungen zur politischen Kultur des Jemen. Über lange Zeit war es gar üblich, dass der Staat Geiseln aus einzelnen Stämmen in die Hauptstadt Sanaa verbrachte, um sich das Wohlverhalten der Stämme zu sichern. Seit dem Ende des Bürgerkrieges 1990 fingen einzelne Stämme mit der Praxis an, Ausländer zu entführen, um ihre Forderungen durchzusetzen, beispielsweise den Bau von Straßen, Schulen oder Wasserbrunnen oder um inhaftierte Stammes-Mitglieder freizupressen.

Bis 2004 wurden rund 200 Ausländer entführt. Ende Dezember 2005 wurde der Ex-Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Jürgen Chrobog, mit seiner Frau und den erwachsenen Söhnen Opfer einer Entführung durch Angehörige des Stammes der al-Abdallah, der in Fehde mit dem al-Riad-Stamm lag.

  Rund 10.000 unge-
  löste Stammes-
  Konflikte sind im
  Jemen registriert

Die Stammeskrieger wollten die Familie Chrobog als Faustpfand nutzen, um inhaftierte Clan-Mitglieder frei zu pressen, eine Fehde unter vielen. Rund 10.000 ungelöste Stammeskonflikte hat das Dar al-Salam in Sanaa registriert,   eine Organisation, die sich für ein friedliches Zusammenleben der Clans einsetzt. Das sagt alles über die Stammes-Strukturen im Jemen aus, wo sich 18 Millionen Einwohner 50 Millionen Handfeuerwaffen teilen. 

Auch die Stammesgesellschaft des Kriegervolkes der Paschtunen in Afghanistan und der Pathanen in Pakistan kennt die Praxis der Entführung. Ihr Streit um „zar zan zamin“ (Gold, Land und Frauen) war und ist über Generationen der Anlass blutiger Stammes Fehden, deren Regeln im „Paschtunwali“, dem uralten Ehrenkodex der Stämme festgelegt sind.

Auch die Clans des Kaukasusvolkes der Tschetschenen leben bis heute nach dem Gesetz des Blutes („miest“). Über Jahrhunderte tobten zwischen den rund 170 Bergsippen Blutfehden, deren Anlass die eine oder andere Entführung war. Dieses Erfahrungswissen hat sicherlich eine wichtige Rolle in der jüngsten Geschichte Tschetscheniens, so schon zur Zeit des ersten Krieges 1994 bis 1996 gespielt.  

Terrorakt als Propagandaerfolg 

Als der tschetschenische Widerstand 1995 kurz vor einer militärischen Niederlage stand, zwang Dudajews Feldkommandeur Schamil Bassajew die russische Regierung in Moskau durch eine Geiselnahme zu Verhandlungen: Im Sommer des Jahres besetzte er mit seinen Kämpfern das Krankenhaus der südrussischen Stadt Budjonnowsk und nahm die Patienten, Schwestern, Pfleger, Ärzte, Besucher - insgesamt 1200 Menschen - als Geiseln.

Mehr als 100 Zivilisten kamen dabei ums Leben. Das russische Fernsehen zeigte seinerzeit Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin, wie er am Telefon die Bedingungen für die Freilassung der Geiseln mit Bassajew besprach. Der Terrorakt wurde zum Propagandaerfolg der Tschetschenen, der den Kämpfern die wichtige Atempause verschaffte, die für die Rückeroberung Grosnys im Spätsommer 1996 notwendig war. 

Nach dem Waffenstillstand begann im Nordkaukasus eine dreijährige Zwischenkriegszeit, in der die Geiselnnahmen dramatisch anstiegen. Sowohl Freischärler als auch kriminelle Clans verdienten mit dem Kidnapping Millionen. Die Regierung in Grosny schätzte im August 1997, dass in Tschetschenien rund 150 Geiseln festgehalten wurden. Mit dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges 1999 wurde - vornehmlich durch die strategische Islamisierung dieses ursprünglich rein ethnischen Konfliktes durch Wahhabiten aus Dagestan - die Geiselnahme zur „Entführungsindustrie“ ausgebaut. Nach vorsichtigen Schätzungen wurden von 1999 bis Mitte 2005 über 2500 Menschen entführt.

Zum Terrorkrieg der tschetscheno-islamistischen Soldateska gehören Geiselnahmen im großen Stil. So brachte im Oktober 2002 ein 50-köpfiges Selbstmordkommando der Kampfgruppe „Islamisches Regiment“ aus Tschetschenien rund 800 Besucher des Musicaltheaters Nordost in Moskau in seine Gewalt. Anfang September 2004 überfiel ein 33(bis 65)-köpfiges, schwer bewaffnetes Kommando der Märtyrerbrigade „Rijad al-Salihin“ (Garten der Frommen) im nordossetischen Städtchen Beslan die dortige Schule Nummer eins und machte 1251 Schüler, Lehrer, Eltern und anderen Angehörige zu Geiseln.

 

Schulkinder als Geiseln in Beslan                              Bild: dpa/Picture-Alliance 

Was in Tschetschenien begann, setzte sich am Golf verstärkt fort. Auch im Irak wird aus islamistischer Sicht ein Djihad gegen die Ungläubigen mit dem Ziel geführt, die „Besatzer“ - also die USA und ihre Verbündeten - zu vertreiben. Dementsprechend gehören „Entführung und Geiselnahme als Waffengattung“ auch zu diesem asymmetrisch geführten Kampf.

Noch vor Beginn des Irak-Krieges 2003 entließ Saddam Hussein 30.000 Menschen aus seinen Gefängnissen, darunter nicht nur Regimegegner und  -kritiker, sondern in großem Umfang gewöhnliche Kriminelle, die heute als Crime groups in alle möglichen Geschäfte - von Menschenhandel bis zum Waffen- und Sprengstoff- Handel - involviert sind. 

2500 Menschen im Irak entführt 

Diese Gruppen haben zusammen mit den Gruppen des irakischen Widerstandes - extrem-fundamentalistisch religiösen Gruppen bis hin zu den Djihad-Terroristen,  insgesamt wohl über 100 Gruppen und Grüppchen - analog zum Nordkaukasus im Irak eine Entführungsindustrie aufgebaut. Seit dem Sturz des Diktators im Irak bis zum heutigen Tage wurden über 2500 Menschen entführt. Andere Schätzungen liegen noch weit höher.

Die Mehrheit der Opfer stellen mit weit über 2000 die Iraker. Hinzu kommen 268 Ausländer, darunter über 100 Nicht-Araber, die zwischen Mai 2003 und Februar 2006 gekidnappt wurden. Etwa die Hälfte von ihnen kam frei, 44 wurden ermordet. Das Schicksal von mehr als 80 Geiseln ist ungewiss. Geiseln werden genommen, um Lösegeld zu erpressen, inhaftierte Glaubens-Kämpfer und andere Inhaftierte frei zu pressen oder zum Zwecke der psychologischen Kriegführung, um mit Videobildern von gezielten Tötungen den Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen, ihn zu demütigen und demoralisieren.

Für einige hardcore-Gruppen des Djihad Terrorismus sind Geiseln eher Todgeweihte, deren Überleben nicht vorgesehen ist. Auch Deutschland hat mittlerweile Opfer dieser Entführungsindustrie zu beklagen. Im November 2005 wurde die Archäologin Susanne Osthoff von Männern entführt, die sich „Saraja al Salasil“ (arabisch: Sturmtruppen der Erdbeben) nannten. Sie kam gegen Lösegeldzahlung frei.

Im Januar 2006 wurden zwei deutsche Ingenieure der Firma Cryotec Anlagenbau (Sachsen) von Kämpfern der Gruppe „Kataib Ansar al-Tawhid wa al-Sunna“ (Brigaden der Anhänger der göttlichen Einheit und des Beispiels des Propheten) verschleppt. Sie sind bis zum heutigen Tage Geiseln.

Ob sie sich noch in den Händen der ursprünglichen Geiselnehmer befinden oder inzwischen bei einer anderen, vielleicht rein kriminellen Gruppe gelandet sind, ist ungewiss. Gewiss ist dafür die Praxis von Geiselnehmergruppen, untereinander Geiseln zu verkaufen.Dennoch sind die Zahlen über die Entführten sowohl im Irak als auch in Tschetschenien „relativ klein“, gemessen an den Opfern im Libanon während des Bürgerkrieges.

  Im Libanon wurden
  in 15 Jahren Bürger-
  krieg 14.000
  Menschen entführt
In 15 Bürgerkriegs-Jahren wurden dort zwischen 1975 und 1991 über 14.000 Menschen entführt, darunter - wie heute im Irak - auch ausländische Staatsbürger. Im Einzelfall dauerte eine Geiselnahme bis zu drei Jahren. 

Eine "Irakisierung" Afghanistans? 

Vor diesem Hintergrund muss die weitere Entwicklung in Afghanistan Sorgen bereiten. Die Karsai-Regierung sieht sich einer „islamistischen Opposition“ gegenüber, zu der auf der einen Seite Taliban-Milizionäre und Al-Qaida-Kämpfer und auf der anderen Seite rivalisierende Stammesführer wie der paschtunische Warlord Gulbuddin Hekmatyar gehören. Für sie alle ist Karsai ein Vasall der USA, der sich von „ungläubigen“ Soldaten der ISAF beschützen lässt. Ihn und die Besatzer gilt es durch einen Djihad zu vertreiben.

Eine „Irakisierung“ des Konfliktes kann man jedoch nicht ausschließen. Zum asymmetrisch geführten Kampf gehören dann auch hier die „Waffengattungen“ des Selbstmordattentats und der Entführung. Deutsche Bundeswehrsoldaten sind damit gleichermaßen bedroht wie Mitarbeiter deutscher Firmen. Erst im März wurden acht Mitarbeiter der Düsseldorfer Firma Ecolog von Taliban-Kämpfern bei Kandahar entführt. Vier Geiseln – Afghanen- wurden wieder freigelassen, die anderen vier – „Ausländer“ aus Mazedonien - wurden hingerichtet.  

Entführungsindustrien sind über lange Bürgerkriegsjahre im Libanon, in Tschetschenien und zuletzt im Irak entstanden. Auch in Afghanistan könnte sich in den nächsten Jahren eine vergleichbare Entführungsindustrie entwickeln.

 {adserver(,1,41)}

10.04.2006 / B. Schmalenberger

Kommentare [neu]
keine Kommentare vorhanden [neu]
Mehr zum Thema
Die Bedrohung Europas
Verwandte Artikel
Grausame Entführungs-Industrie
Zeitdokument: Durch die Augen des Feindes sehen
Machtkampf in der al-Qaida
Islamistischer Untergrund: Es brodelt in vielen Teilen der Welt
Experten warnen: Der Djihad kommt jetzt aus Europas Vorstädten
   

Weitere Beiträge

Die Mullahs und die Bombe: Psychologie eines Pokers

06.03.2006 von redaktion

Von den beteiligten Mächten - Europa, USA, Russland und China - können nur die beiden Letzten auf den Iran einwirken und ihr Preis wird steigen je länger die Eskalation dauert. Aber die Folgen eines Krieges wären unabsehbar. Von Marwan Abou-Taam

weiter lesen ...

Umdenken am Horn von Afrika

03.03.2006 von redaktion

Europas wichtige Wasserwege werden von Piraten bedroht. Von Dustin Dehez*)

weiter lesen ...

Djihad-Terrorismus: Noch unbekannte Gefahren auf See

31.01.2006 von redaktion

Terroristische Anschläge auf See könnten alles Bisherige noch deutlich übertreffen. Eine Analyse von Berndt Georg Thamm

weiter lesen ...

Vernichtende Analyse

05.11.2005 von redaktion

Für die Einen ist er der "Luther des Islam", für die Anderen nur ein doppelzüngiger Islamist: Tariq Ramadan. Ralph Ghadban zertrümmert das Bild des grossen Reformdenkers und hält seine Gedanken für überflüssig. Eine Buchbesprechung von Martin Riexinger.

weiter lesen ...

Drohen chemische, biologische und nukleare Terroranschläge?

26.10.2005 von redaktion

Gedroht hat bin Laden seit Jahren, eingesetzt hat sie die al Qaida bisher nicht.Wie sehr sind wir durch Anschläge mit chemischen, biologischen und radiologischen Kampfstoffen gefährdet? Interview mit der Mikrobiologin Dr. Elisabeth Hauschild

weiter lesen ...

Aktuelle Meldungen

Ein Ticker test

Ticker test Ticker testTicker testTicker test ... mehr

Die Gewalt der Legenden

Treibende Kraft hinter dem Terror sind Mythen und Legenden von Kämpfern, die zum Teil seit Jahrhunderten tot sind. Der Westen hat die im islamischen Denken einflußreichen Mythen seit langem unterschätzt. Von Berndt Georg Thamm ... mehr
Weltweit vernetzter politischer Islam

Weltweit vernetzter politischer Islam

Muslimbruderschaft und Islamische Weltliga: Beide wollen durch ihre Netzwerke weltweit Einfluß auf politische, religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen nehmen. Beider Ziel ist der Sieg des Islam. Eine Buchbesprechung von Hildegard Becker ... mehr
Das Netzwerk der Glaubensschwestern

Das Netzwerk der Glaubensschwestern

Nach dem ersten Selbstmord-Attentat einer gebürtigen Europäerin überprüfen die Sicherheitsbehörden neue "Gefahren in unserer Mitte", ein "Netzwerk von Glaubens-Schwestern" zu dem auch deutsche Konvertitinnen gehören könnten. Von Berndt Georg Thamm ... mehr
Der nahe und der ferne Feind

Der nahe und der ferne Feind

Steinbergs Buch ist als die überzeugendste deutsch-sprachige Darstellung des international agierenden islamistischen Terrorismus zu empfehlen, sagt der Islamwissenschaftler Dr. Martin Riexinger ... mehr
Saudi-Arabien: Schulbücher lehren Hass auf "Ungläubige"

Saudi-Arabien: Schulbücher lehren Hass auf "Ungläubige"

Nach offiziellen Angaben hat die saudische Regierung alle intoleranten Inhalte aus Schulbüchern entfernt. Eine Studie beweist, dass Schüler noch immer im Hass auf Christen und Juden, aber auch andere Muslime unterrichtet werden. Von Hildegard Becker ... mehr
Religiöse Indoktrination: Wer in Europa Terrorist wird

Religiöse Indoktrination: Wer in Europa Terrorist wird

Der Staat hat die erste Generation aufgenommen und ihnen Arbeit gegeben. Die zweite Generation der Migranten fühlt sich dennoch massiv benachteiligt, ein Konflikt, den Islamisten gezielt nutzen. Von Alexander Schahbasi*) ... mehr
FIFA WM Deutschland (tm): Nicht nur Freunde zu Besuch?

FIFA WM Deutschland (tm): Nicht nur Freunde zu Besuch?

Mit über drei Millionen Besuchern rechnet das Organisa-tionskomitee. Alles Freunde? Die Sicherheitsbehörden haben Sorgen: Die Konflikte, die mit den Teilnehmer-ländern verbunden sind, könnten Anlässe für Anschläge bieten. Von Berndt Georg Thamm ... mehr

Startseite  |  Politik  |  Gesellschaft  |  Technik  |  Bücher  |  Archiv  |  Ticker  |  Forum  |  Kontakt  |  Impressum  |  Sitemap  |  Registration

Powered by
newspublisher