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Kategorie Bücher  

Die Drahtzieher

01.01.2004: Das Buch beschreibt, wie das einzige Interview mit den Drahtziehern des 11. September zustande kam. Es gibt Einblicke in den Alltag der beiden Terroristen und zeigt ihr unstillbares Bedürfnis nach weltweiten Reisen und ständiger öffentlicher Präsentation

Kein Zweifel: Dies ist ein wichtiges Buch. Es enthält wichtige Information: Die Al Qaida, die sich ursprünglich niemals zu ihren Anschlägen bekannt hat, sucht jetzt die Öffentlichkeit. Es beschreibt zugleich kenntnisreich die Verflechtungen der Al Qaida mit anderen Terrorgruppen insbesondere in Pakistan und zählt Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst auf, wobei hier offenbar mehr die Abneigung die Feder geführt hat als die Professionalität, über die der Autor so gern schreibt.

Schließlich das Buch ist „nah dran“. Die Einblicke in den Alltag der beiden Terroristen und ihre Bedürfnisse nach weltweiten Reisen und ständiger Kommunikation sind so interessant, dass allein dies immer wieder dazu vverleitet, das Buch zur Hand zu nehmen und Details nachzulesen.

Allerdings wird nicht recht deutlich, was das Ziel des Buches sein sollte: Den Werdegang der beiden wichtigsten Drahtzieher vom „9/11“ beschreiben? Dann hätten ganze Kapitel wie die Entführung und Ermordung des amerikanischen Journalisten Daniel gestrichen oder die an einer Stelle behauptete Mitwirkung eines der beiden Drahtzieher nachgewiesen werden müssen.

Oder sollte das Buch die Entstehungsgeschichte dieses sicher einzigartigen Interviews berichten? Dann hätte die recht ausführliche Darstellung der „Hamburger Szene“ deutlicher begründet werden müssen. So erscheint vieles als von Karteikarten abgeschriebenes Abfallprodukt eines umfangreichen Fernsehberichts, der allerdings ebenfalls nicht dargestellt wird.

Das Buch dokumentiert damit nicht die Weltsicht der Terroristen und bietet auch nicht die Einblicke in das Innerste von Al Qaida, wie der Umschlagstext behauptet. Beides haben andere Bücher besser verstanden.

Kein Zweifel aber, dass die beiden „Masterminds“ neben der Führungsspitze der Al Qaida zu den einflussreichsten und interessantesten Figuren zählen. Gerade darum hätte man gern mehr gewusst: Was waren in den Interviews ihre wichtigsten Aussagen? Wirkten sie glaubhaft oder zielten sie nur auf eine Wirkung ab?

Vor allem: Welchen Eindruck machten die Männer? Waren sie besessene Fanatiker oder kaltblütige Desperados? Es ist einer der wichtigen Schwächen des Buchs, dass man diese persönliche Eindrücke und Wertungen nur aus den Beobachtungen am Rande herauslesen kann. Gerade weil die „Masterminds“ selbst das Interview suchten, hätte die ausführlichere Schilderung der Personen auch in ihrem Interesse liegen müssen.

Aussagen vor Gericht oder Verhöre durch die Geheimdienste können niemals die gleiche offene Gesprächssituation herstellen. Dass der Autor sich verpflichtet fühlte, seine Quelle zu decken, wird man auch nicht behaupten können, da sowohl Ramzi Binalshib wie Khalid Sheikh Mohammed inhaftiert waren, bevor das Buch in Druck ging.

Trotz aller Kritik: Das Buch gehört zu den Standardwerken, die über den Terrorismus geschrieben wurden.

01.01.2004 / B. Schmalenberger

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