Loretta Napoleoni hat ein wichtiges Buch geschrieben, weil es über die Grundlagen informiert, auf denen der heutige, globale Terrorismus aufbaut: Die Verfügbarkeit von Milliardengeldern. Ihre Schilderung der Entwicklung ist dabei überzeugend, der heutige Stand verliert sich in Details, aber - muß man anfügen - auch die Geheimdienste haben heute nicht einen Gesamt-Überblick. Wenn die Kräfte nicht reichen, pflegt man den guten Willen zu loben.
Ein solches Urteil ist oft tödlicher als ein Verriss: Es war gut gemeint, aber nicht wirklich gut. Hier geht es nicht um einen solchen Verriss. Loretta Napoleonis Buch über die „Ökonomie des Terrors“ ist zwar nicht gut, aber der Begriff „gut gemeint“ wäre falsch am Platz. Im Gegenteil, das Buch gehört zu den besonders wichtigen Analysen, die in den letzten Jahren über Terrorismus geschrieben wurden und sein besonderer Verdienst ist, auf die Grundlagen hinzuweisen, auf denen der heute globalisierte Terrorismus beruht: auf einer Finanzmasse von mehreren Milliarden Dollar.
Wie sich diese Finanzierung des Terrors entwickelt hat, gehört zu den aufschlussreichsten und überzeugendsten Kapiteln des Buches: Zunächst war es die Staatsmacht, der französische Geheimdienst, der seinen Stellvertreterkrieg in Südostasien mit dem Verkauf von Drogen finanzierte, nach dem Vorbild der Kuomintang übrigens, die Napoleoni nicht erwähnt.
Später waren es staatliche „Gönner“, allen voran der „Gottvater des Terrorismus“, Muammar al Gaddafi, aber auch der Iran und der Irak. Jassir Arafat hatte Millionengelder aus vielen arabischen Staaten, insbesondere Saudi-Arabien erhalten, aber baute zielstrebig sein Vermögen und das der PLO aus, um von Geldgebern und ihrem Einfluss unabhängig zu werden.
Letzter Schritt auf dem hier eingeschlagenen Weg ist die Al Qaida, die sich nach Ende des ersten Afghanistankrieges gegen die Sowjets und dem Bruch von Osama bin Laden mit dem saudischen Königshaus im Sudan neu aufstellen und internationalisieren musste. Dieser – ausführlichste - Teil ist leider der schwächste.
Man muss Frau Napoleoni zunächst zugute halten, dass auch die Fahnder des amerikanischen Schatzamtes und der CIA sich bisher keineswegs in dem Gewirr der höchst unübersichtlichen Finanzbeziehungen zu Recht finden und viele muslimische Staaten ein erhebliches Eigeninteresse haben, ihre Beteiligungen hier nicht allzu deutlich werden zu lassen.
Dennoch ist es falsch gesehen, wenn an allen möglichen und unmöglichen Stellen über Hamid Karsai und seine Rolle bei der geplanten Pipeline der Unocal durch Afghanistan berichtet wird – was den Verkauf des Buches in den USA möglicherweise befördern sollte – aber die Rolle der saudischen Haramain-Stiftung, der World Assembly of Youth und anderer zur Geldwäsche benutzten Wohltätigkeitsorganisationen eher beiläufig erwähnt wird. Wie den amerikanischen Fahndern gelingt auch Frau Napoleoni offensichtlich nicht der Durchblick, mehr noch: Sie setzt schlicht falsche Gewichtungen.
Der interessierte Leser findet jedoch eine Fülle – manchmal ist man geneigt zu sagen: ein Übermaß – an detaillierten Informationen und er hat anhand vieler Fußnoten die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil über den Sachverhalt zu machen. In diesem Steinbruch der Informationen mag jeder selbst aufheben, was ihm für seine Sicht wichtig erscheint.