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Leidenschaftliches Bekenntnis
08.12.2005: Der Titel täuscht: Mark A. Gabriel, ehemals Professor an der renommierten Al-Azhar Universität in Kairo, hat keine geschichtliche Auseinandersezung, sondern ein höchst persönliches, leidenschaftliches Beklanntnis abgelegt.
Über die Geschichte des Terrorismus – das heißt die Vorväter, Philosophen und Gründerväter – ist mehr zu sagen, als Gabriel dies aus seiner subjektiven Sicht tut. Er müsste dann allerdings auch die Enttäuschungen und Frustrationen schildern, die ein gut Teil zur Entstehung des Terrorismus beigetragen haben und die Tatsache, dass es durchaus andere Wege einer Modernisierung des Islam schon gegeben hat und noch gibt.
Fürchtet Gabriel, dass die Darstellung solcher alternativer Entwicklungen – und damit auch Entwicklungsmöglichkeiten – des Islam seine Thesen von der Militanz des Islam schwächen würde? Sicher muss man ihm zugute halten, dass Dissidenten immer die eifrigsten Verfechter ihres neuen Glaubens waren. Dass die Islamisten den Koran richtig gelesen hätten – dass also keine andere Auslegung möglich sei – wie es im Vorwort steht, von Gabriel aber in dieser apodiktischen Form nicht behauptet wird, ist schlicht falsch.
Hier liegt im Grunde die Schwäche des Buches. Sicher ist es ein gewaltiger und ein gefährlicher Schritt, vom Islam zum Christentum überzuwechseln, ein Schritt übrigens, der in den ersten Jahrhunderten des Islam durchaus häufig und in gegenseitigem Einverständnis vollzogen wurde.
Vielleicht hatte er an den ägyptischen Schulen und Universitäten darüber nichts oder wenig erfahren. Umso mehr würde man sich eine solche Vertiefung nach seinem Übertritt zum Christentum wünschen. Die Welt ist nicht einfach schwarz und weiß, sondern besteht aus Farben und Zwischentönen und die Darstellung der Vielfalt überzeugt letztlich mehr als das flammende Bekenntnis eines Mannes, der den Erzengel Gabriel zu seinem Namenspatron gewählt hat.
08.12.2005 / B. Schmalenberger
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