Im Irak schreckt die Zahl täglich Getöteter. Beim Madrider Terroranschlag schockierten die Bilder der aufgerissenen Eisenbahnwaggons: Es erscheint schwer fassbar, dass diese schrecklichen Zerstörungen durch einen simplen Knopfdruck auf ein Handy ausgelöst wurden, wie er heute zu Hunderten auf den Straßen und in Verkehrsmitteln genutzt wird.
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Bild: dpa/Picture Alliance
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Bastelanleitungen. Leicht verfügbar und höchst preiswert sind jedoch nicht nur die Handys als Fernzünder, im Internet finden sich vielmehr detaillierte Anleitungen zum Bau ferngezündeter Bomben, die seit Monaten von deutschen Web-Servern angeboten werden. Auf Anhieb lassen sich im Internet mehr als ein halbes Dutzend Bastelanleitungen für Jedermann nicht allein von Fernzündern, sondern auch von Briefbomben bis zu hochgefährlichen Sprengstoffen, Napalm und Giften finden. PAN AMP, ein Software-Entwickler von Filtersystemen für das Internet wirft staatlichen Stellen deshalb Untätigkeit vor.
Aber eine Zensur von Webseiten im Internet, solange die Techniken „nur“ beschrieben und nicht gleichzeitig zu Straftaten angeleitet wird? Juristen sehen hier grundrechtliche Probleme. Es geht um das an vielen Stellen diskutierte Problem der Abwägung von Freiheit und Sicherheit. Die Gefahren liegen dabei auf der Hand: Bei dem Anschlag auf der Ferieninsel Bali wurde ein mit Sprengstoff gefüllter Lastwagen vor den Diskotheken vermutlich mit Handy ferngezündet. Einem solchen Anschlag, den niemand erwartet, kann man schwer vorbeugen. Dagegen scheiterte völlig unerwartet ein Anschlag auf eine McDonalds-Filiale in Beirut, weil das Mobilfunknetz ausgefallen war und in manchen Ländern des Nahen Ostens ist man über Störsender nicht besonders unglücklich, weil sie die Funksignale von Handys außer Kraft setzen.
Hochqualifizierte Elite. Auch die amerikanischen Militär-Konvois im Irak verwenden solche Störsender, mit denen die Funksignale von Handys unterdrückt werden. Ursprünglich waren viele der im Irak verwendeten Bomben einfach und ohne besonderen technischen Aufwand gebaut. Neben den „Hobbybastlern“ ist inzwischen jedoch auch eine hochqualifizierte Elite am Werk, die auf effektive amerikanische Abwehrmaßnahmen gegen ferngezündete Bomben mit immer neuen technischen Finessen antwortet.
Dass die amerikanische Armee sich zu Details ihrer Gegenmaßnahmen nicht äußern will, erscheint unmittelbar einleuchtend. Das Katze-und-Maus-Spiel wurde jedoch bereits im Krieg der britischen Armee gegen die IRA durch der amerikanische Terrorismusexperte Bruce Hoffman in seinem Buch „Terrorismus: Der unerklärte Krieg“ eingehend beschrieben.
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Der Klassiker
der Terror-Analyse
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Störmaßnahmen. Die Forschungsabteilung des britischen Verteidigungsministeriums hatte elektronische Störmaßnahmen gegen die Fernzündung von Bomben erfolgreich entwickelt. Die IRA-Techniker entwickelten nach der Schilderung von Bruce Hoffman in fünfjähriger Entwicklungsarbeit elektronische Schalter, die diesen Störmaßnahmen trotzten. Die Forschungsexperten der britischen Armee nutzten als neue Gegenmaßnahme daraufhin die Zehntel-Sekunden zwischen der Funkausstrahlung und der Zündung, um das Übertragungssignal zu neutralisieren.
Die IRA-Spezialisten setzten nunmehr spezielle Radar-Warnanlagen für Autofahrer ein, die das Funksignal ohne Zeitverzögerung übertragen konnten und später professionelle Blitzgeräte, die das Zündsystem ebenfalls auslösten. Bei Anschlägen der südamerikanischen Terrorgruppe FARC fanden Experten später ähnlich konzipierte, ferngezündete Bomben und es lässt sich heute nur vermuten, dass auch die Terrorspezialisten im Irak von derartigen Kenntnissen profitiert haben.
Bastler-Wissen. „Es ist ein ständiges Schachspiel“, zitiert die New York Times Philip Ludvigson, Hauptmann einer amerikanischen Einheit zur Bombenbekämpfung im Irak. Dieses Schachspiel wird nicht nur im Irak um Leben und Tod geführt. Angesichts einer solchen weltweiten Verbreitung des Bastler-Wissens bleibt jedoch die Skepsis, ob ein Verbot von Bombenbau-Anleitungen im Internet effizient genug wäre.